Logo On the ride Switzerland by bike, weiß

1. Etappe

24 heaven in der Schweiz - guter Plan?

Switzerland by bike. Die Schweiz also ist mein zweites großes Bikepacking Abenteuer, das ich mir im Juni 2023 vorgenommen habe. Kleines Gepäck und großes Ziel. Ob ich die Idee 24 heaven, also 24 Pässe mit dem Rennrad zu bezwingen geschafft habe, erfahrt ihr weiter unten. Nur soviel vorab – die Schweizer Alpen sind gnadenlos und unendlich schön zugleich. Die Anreise mit der Bahn über Bozen gestaltet sich zäh und erst spät am Abend bin ich nach einer heftigen Regenschauer im hübschen Casa Chalavaina in Müstair angekommen. Doch ich wurde bestens verpflegt und so kann der erste Tag auf dem Rennrad bei strahlendem Sonnenschein beginnen. Zunächst geht es über den Umbrailpass bis kurz unter die Schneegrenze. Auf dem Weg hinauf bin ich gleich einem anderen Radreisenden fortgeschrittenen Alters begegnet. Toni und ich machen ein gemeinsames Foto, quatschen sehr nett, dann trennen sich unsere Weg wieder. Bevor es für mich über Bormio hinauf zum Gavia auf 2.652 m geht, erwischt mich eine heftigste Regenschauer im Anstieg. Oben angekommen bin ich derart durchgefroren, dass ich mich im Café erst mal aufwärmen muss. 4 Grad hier oben, der Juni kann auch kalt sein. Auf dem Weg hinunter nach Ponte die Legno zittere ich durchweg vor Kälte, das ist absolut kein Spass. Die erste Grenzerfahrung. Ebenso wie das Finale hinauf zum Mortirolo, in dem noch mal 900 Höhenmeter bis zum Hotel zu klettern sind. Aber Schleife durch die Schweiz hat sich gelohnt, auch wenn mir die drei Gänge zum Einstieg mit frostigem Zwischengang gleich am ersten Tag alles abverlangt haben. Bin gespannt, was mich am zweiten Tag in der Schweiz erwartet. Der Berninapass wartet.

Umbrailpass, Anstieg von Müstair
Passo Gavia, Anstieg
Passo Umbrail, Sebastian Taprogge steht am Passschild auf 2.503 m

Müstair - Umbrailpass - Bormio - Passo Gavia - Ponte di Legno - Mortirolo

105,23 KM

3.553 HM

6:17:17 STD.

2. Etappe

Bernina-Express ins Engadin

Der zweite Tag meiner Bikepacking Reise durch die Schweiz startete in einem kleinen, einsamen Albergo am Mortirolo auf der italienischen Seite. Die morgendliche Bergluft weckt die Lebensgeister und die Beine kommen auf den letzten, einsamen Kilometer hinauf zur Passhöhe langsam in Fahrt. Die Abfahrt runter nach Tirano ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Unten angekommen geht es ab der Staatsgrenze hinauf zu der Prüfung dieses Tages – der Berninapass. Der Weg hinauf ist extrem lang, fast 16 Kilometer. Und einsam – nur wenige Autos wollen hinauf zum Bernina und ins Engadin. In der Abfahrt kommt ein Bernina-Express den Berg hinauf, ich hingegen schieße im Express-Tempo hinunter nach Samedan. Mit fallender Meereshöhe wird es wärmer und schöner. Die Landschaft ist Atmen raubend. Das Engadin bockt. In Zenrez ist im Crusch Alba Feierabend. Duschen, Trikots waschen und den morgigen Tag planen. Morgen würden eigentlich Flüelapass und Albuapass anstehen, doch genau dort hat sich ein Gewitter angemeldet. Plan B muss her.

Straße runter vom Mortirolopass, Italien
Sebastian Taprogge glücklich am Passo del Bernina, Schweiz
Passstraße hinauf zum Berninapass, Schweiz

Mortirolo - Aprica -Tirano - Berninapass - Samedan - Zuoz - Zernez

126,69 KM

2.296 HM

5:45:24 STD.

3. Etappe

Sauna in Bever statt Schwitzen am Berg

Gleich am dritten Tag auf meiner Reise durch die Schweiz muss Plan B her. Da für Mittag ein heftiges Gewitter angesagt ist, muss die Schleife über den Albulapass ausfallen und es geht auf direktem Weg ins Hotel Bever Lodge. Dort werde ich verwöhnt mit Kaffee und Kuchen und entspanne in der schönen Sauna. Das Hotel ist übrigens perfekt für Radler. Es gibt einen Radkeller, Service- und Akku-Ladestation und eine Putzstation. Außerdem liegt das Hotel direkt gegenüber des Bahnhofs in Bever. Perfekte Bedingungen. Abends gönne ich mir einen mega leckeren Burger, dazu gibt es Schweizer Rotwein. Das Bever rockt! Abends ist das Gewitter verzogen, die Sonne küsst die Bergspitzen. Ein Lächeln und Vorfreude auf den nächsten Tag, der wird episch!

Wiesn im Engadin, Mann mäht Weide
Sebastian Taprogge macht eine Pause in S-chanf
Engadin, Schweiz

Zernez - S-chanf - Zuoz - Bever

24,99 KM

399 HM

1:17:37 STD.

4. Etappe

Orte, an die wir wiederkommen

Malojapass und Splügenpass stehen am vierten Tag meiner Schweiz-Reise auf dem Programm. Den Malojapass geht es allerdings nur abwärts; anstrengend ist das trotzdem. Denn der obere Teil ist ein Kurvenkarussell und Schulter, Arme sowie Finger werden auf den über 30 Kilometer runter ins italienische Chiavenna enorm beansprucht. Dort werden in einem kleinen Supermarkt die Energiespeicher und Snacktaschen reichlich gefüllt, denn was folgt, wird lange nachwirken. Der Splügenpass ist gnadenlos und grandios. Auf 30 Kilometern überwindet man bei 6% Steigung 1.842 Höhenmeter. Das tut weh – und dauert lange. 3 Stunden und 27 Minuten brauche ich bis zur Passhöhe. Zahlreiche Tunnel und Kehrengruppen garnieren diesen wunderschönen Pass. Teilweise schlängeln sich die Switchbacks durch Tunnel um die Kurven. Glücklich aber auch ungläubig steht man oben am verlassenen Grenzhäuschen und strahlt. Ein Ort, an den ich wiederkommen werde. Der Weg runter ist deutlich kürzer, aber nicht atemberaubender und auch nicht weniger kurvig. Unten angekommen wartet schon das nächste Sinn-Erlebnis. Splügen selber. Was für ein kleines, wunderhübsches altes Dorf. Angemessen checke ich im Hotel Weiss Kreuz ein. Eine sehr gute Entscheidung. Teile des Gebäudes stammen aus 1375, 2001 wurde die Herberge restauriert und in ein Hotel umgewandelt. Und was für eins!

Strasse runter nach Splügen
Hotel Weiss Kreuz in Splügen
Sebastian Taprogge macht ein Nickerchen auf dem Weg hinauf zum Splügenpass

Bever - St. Moritz - Maloja - Chiavenna - Splügen

95 KM

1.989 HM

4:31:17 STD.

5. Etappe

Auf Plattenbauten ins Paradies

San Bernardino und der Lukamierpass warten an Tag 5 bei Switzerland by bike. Der Bernardino von Hinterrhein lässt sich ruhig und gemütlich fahren und ist nicht lang. Ganz im Gegensatz zu der Abfahrt ins Tessin. Ganze 40 Kilometer geht es nur Berg ab und ich bin froh, dass meine Route nicht den entgegensetzten Weg geht. Zwischendurch muss ich eine Pause machen, da Topspeed von über 70 km/h, dauerhaftes Bremsen und präzises Einlenken anstrengen. In Bellinzona rechts weg in ein Tal, in dem der Wind noch nicht so richtig weiß, wohin er will. Auf dem Weg hinauf zum Passo Lucomagno hat er sich entschieden. Gegen mich! Gepaart mit den blanken Betonplatten auf denen man den Pass hochholpert, ist das kein Spass. Auch wenn der Lukmanierpass die einzige Möglichkeit bietet, die Schweizer Alpen zu überqueren, ohne dass man eine Meereshöhe von 2.000 Metern überschreitet, easy ist dieser Pass auf keinen Fall. In Acquarossa heißt es 32 Kilometer bis zur Passhöhe. Oder anders ausgedrückt, 2 Stunden und 46 Minuten reine Fahrtzeit. Der Weg hinauf vergeht nicht wie im Flug, dafür mit Fluchen. Doch die Entschädigung wartet auf der anderen Seite im Kanton Graubünden. Das Val Medel, in das man fliegt, ist unglaublich. Einsam, ursprünglich, das Sonnenlicht bringt die ganze Schönheit zum Vorschein. Dieses Tal macht süchtig, das Hotel Medelina in Curaglia glänzt ebenfalls. Ein ehemaliges Altersheim. Weil man keinen Nachmieter für das Gebäude in dem kleinen Dorf gefunden hat, haben sich einige Freunde zusammengetan, das Gebäude liebevoll zu einem Hotel umgebaut und jetzt betreiben sie es selber. Gemüse wird im Garten angebaut, Hühner laufen ums Gebäude und Käse, Brot etc. kommt aus der Umgebung. Nach einem Pilzrisotto mit gebratenem Spinat und Pastinake wartet das Bett mit Leinenbettwäsche auf mich. Die Augen fallen nur noch zu. 24 heaven – Klappe die fünfte. Gute Nacht. 

Val Medel, Lukmanierpass
Sebastian Taprogge im Anstieg San Bernardino, Kehre
Lukamnierpass, Schweiz

Splügen - San Bernardino - Castione - Locrino - Lukmanierpass - Curaglia

144,20 KM

2.527 HM

6:19:12 STD.

6. Etappe

The Chedi - Gönn Dir!

Der 6. Tag meiner Bikepacking-Reise durch die Schweiz kann man als aktive Erholung bezeichnen. Zwar warten auf dem Teilstück lediglich 37 Kilometer, doch mit dem Oberalppass sind es am Ende dennoch knapp 1.000 Höhenmeter, die es zu überwinden gilt. Ganz in der Nähe der Passhöhe entspringen gleich vier große Flüsse dem Gotthardmassiv – Rhein Rhone, Reuss & Ticino.
Meine Kraft-Quelle am Abend ist das Chedi in Andermatt, eines der wohl besten Hotels der Welt. Noch nie habe ich in einem derart weichen und großzügigen Bett geschlafen und selten besser gegessen. An diesem Abend komme ich auch auf den Geschmack eines vorzüglichen Schweizer Rotweins aus dem Wallis. Im Chedi sammele ich Kraft für den nächsten epischen Tag. Auf Wiedersehen Chedi, du bist großartig und wir sehen uns hoffentlich mal wieder! Den Sparstrumpf muss ich erst wieder füllen. 

Sebastian Taprogge macht eine Pause
Eisenbahnbrücke in der Schweiz
Hotel Chedi, Andermatt, Schweiz

Curaglia - Disentis - Sedrun - Oberalppass - Andermatt

37 KM

989 HM

1:58 STD.

7. Etappe

Ab ins Hospiz!

Nach dem Luxus gestern, wird es heute wieder rustikal. Und es knallt richtig, zwei weitere gnadenlose Berge warten. Den Anfang macht der Sustenpass, einer der Pässe in der Zentralschweiz, der als letztes für den Verkehr geöffnet wird und das war ausgerechnet zwei Tage zuvor. Ich habe also Glück und darf den Susten bezwingen. Dieser Pass ist mental extrem fordernd, denn die Straße hinauf liegt langgezogen an einem Bergkamm und man kann die Straße hinauf auch aus 15 Kilometer Entfernung sehen. Bisweilen ist das zermürbend. Ganz anders die Straße runter nach Innertkirchen. Hier geht es kurvenreich bergab, den imposanten Steingletscher im Blick. In Innertkirchen wird vor einem Supermarkt Mittagspause gemacht. Während es oben auf dem Sustenpass noch sehr frisch gewesen ist, brennt hier im Tal die Sonne vom Himmel. Es folgt ein heißer Ritt hinauf zum Hotel Grimsel Hospiz, das 5 Kilometer unterhalb der Passhöhe liegt. Bis zum Hospiz sind es aber trotzdem unglaubliche 21 Kilometer hinauf. Eine der schwersten Etappen der gesamten Reise. Beeindruckend auf dem Weg hinauf sind die glatt geschliffenen Felsen. Geschliffen fühlen sich am Ende des Tages nach 2.500 Höhenmetern auch meine Beine an. Zeit für Dusche, Dinner und Daune. Gut das ich hier im Hospiz bin. Aua. 

Sebastian Taprogge leidend im Anstieg vom Grimselpass, Schweiz
Passstraße, Sustenpass, Schweiz
Kuh auf der Weide, Sustenpass, Schweiz

Andermatt - Wassen - Sustenpass - Innertkirchen - Grimsel Hospiz

76,6 KM

2.471 HM

4:28 STD.

8. Etappe

Oh mein Gotthard!

Er hat mich erwischt – der erste Hungerast! Dabei beginnt der Tag gut und die ersten Pässe sind eigentlich nichts im Vergleich zu den vergangenen Tagen. Die letzten Kilometer hinauf zum Grimselpass sind schnell abgespult bevor es konzentriert hinunter nach Gletsch geht. Von da aus sind es knapp 11 Kilometer hinauf zum Furkapass. In der Mittagssonne folgt der Gotthard. Dieser Pass ist die größte Enttäuschung auf der gesamten Reise. Von Andermatt hoch sind die 10 Kilometer langweilig und durch den vielen Verkehr nervig. Jeder will hier hoch. Warum? Oben angekommen geht es zu wie auf dem Jahrmarkt. Fressbude und Souvenir-Shops reihen sich ebenso aneinander wie unzählige Busladungen. Schnell weg von hier. Leider ohne Essen. Ich entscheide mich nicht für die Hauptstrasse hinunter nach Ariolo sondern für die historische Tremola. Ein Fehler. Hinauf ist das vielleicht noch ganz witzig, aber 10 Kilometer Kopfsteinpflaster mit radelndem Gepäck runter, das ist kein Spass. Etwas entnervt und entkräftet suche ich in Ariolo nach Essen. Es ist Sonntag, hier hat fast alles zu. Dann kommt der Hunger-Hammer, ich zittere vor Kohlenhydrat-Enzug und der Gedanke an den Nufenenpass lässt mich erschaudern. Der Nufenen ist wieder so ein Schweizer Biest und die Erfahrungen der ersten Tage bringen mich heute zur Vernunft. Normalerweise hätte ich die Fresse aufgerissen und gesagt: „Ach den kriegen wir auch noch gebändigt, kein Problem.“ Nicht so heute. Leider muss ich feststellen, dass an diesem Tag auch kein Postbus den Pass hochfährt. Der fährt nämlich erst ab Sommer, also ab Juli. Zum Glück lerne ich Loris kennen, einen einheimischen Gastronom. Er fährt mich den Pass hoch. Den Rest rolle ich mit flauem Magen runter ins Landhaus Goms. Heute bin ich an meine Grenze gekommen. Gotthard war schuld!

Sebastian Taprogge, Passhöhe Furkapass, Schweiz
Grimsel Hospiz, Grimselpass, Schweiz
Sebastian Taprogge happy oben auf dem Furkapass, Schweiz

Grimselpass - Gletsch - Furkapass - Gotthardpass -Tremola - Ariolo - Münster

91 KM

1.980 HM

4:35:34 STD.

9. Etappe

Mit Toblerone-Power zum Matterhorn

Am 8. Tag meiner Reise durch die Schweiz treffe ich zufällig auf den Schindelsepp. Josef Walther ist 77 Jahre und macht in seiner kleinen Werkstatt Dachschindel aus Lärchenholz. Hier im Wallis ist der Schindelsepp einer der letzten seiner Zunft. Eigentlich tun ihm schon die Knochen weh, aber er findet keinen, der seinen Handwerksbetrieb und sein Wissen von ihm übernimmt. Also macht er weiter. Mir bietet er eine Rinder-Boullion an und zum Abschied bekomme ich ein Stück Toblerone, und zwar von der großen! Über Visp geht es dann Richtung Zermatt. Der Weg hinauf zieht sich, fast 1000 Höhenmeter geht es hinauf in das autofreie Zermatt. Da es stark anfängt zu regnen, entschiede ich mich ab Sankt Nikolaus zwei Stationen mit der Bahn zu fahren. Im Hotel Beau Site steht ein Rest-Day an. Sauna, Spazieren gehen, Schlafen.  

Münster - Brig - Visp - Sankt Nikolaus - Zermatt

65 KM

790 HM

2:30:58 STD.

10. Etappe

Les Mazot du Clos - mon dieu!

Die 10. Etappe auf meiner Tour durch die Schweiz wird mit 147 Kilometer die längste der gesamten Reise. Der Ruhetag gestern in Zermatt hat gut getan. Die Schenkel und Geist sind reloaded. Aus Zermatt geht es bis nach Visp nur bergab, dann links weg durch das Rhone-Tal. Fast 90 Kilometer geht es zunächst auf einer Hauptstraße, anschließend auf einem Radweg durch das Tal, das nach den ersten Tagen im Zentralmassiv eher unattraktiv anmutet. Wenig Abwechslung, düster, viel Verkehr. Kurz vor dem Genfer See wird es ab Saint-Maurice allerdings wieder schöner – und wie! Die Straße hinauf nach Villars-sur-Orllon – ebenfalls Etappenziel der diesjährigen Tour de Swiss – ist teilweise sehr steil. Die Nachmittagssonne brennt. Kurz vor dem Ziel habe ich einen schleichenden Plattfuß, ich schaffe es aber in das wunderschöne Chalet-Hotel Les Mazot du Clos. Nach dem ich das Laufrad für den nächsten Tag wieder parat gemacht habe, wartet im Garten der Geburtstags-Sprizz auf mich. Happy Birthday to me. Beim Dinner mit integrierter Küche kann man dem französischen Koch bei seinem Kunstwerk zusehen. Es ist nicht einfach nur ein Dinner – das was hier in diesem Hotel zubereitet wird, ist außergewöhnlich. Das beste Dinner und Frühstück der gesamten Reise. Dieses Hotel muss definitiv auf jede ToDoe-Liste für die Schweiz. Grandios!

Zermatt - Visp - Sion - Martigny - Saint-Maurice - Villars-sur-Orllon

147,63 KM

1.096 HM

5:43:32 STD.

11. Etappe

Schweiz - wie lieb ich dich hab!

Die Sonne hat sich verzogen, das Gemüt strahlt trotzdem. Heute geht es über den Col de la Croix und den Col du Pillon ins Berner Oberland. Eigentlich ist der Plan noch eine Schleife über Greyerz zu drehen, doch 50 Kilometer mehr und 50 Kilogramm Käserad im Gepäck sind doch zu viel des Guten. Die Beine sind schon ein wenig Schweizer Käse, hart und löchrig. Und ich muss Gas geben, denn der Regen ist mir auf den Fersen. Kurz hinter dem Thunersee in Interlaken hat er mich dann und ich muss mich für 30 Minuten unterstellen. Die Wolken entladen sich komplett, es wird frisch. Die letzten 20 Kilometer hinauf nach Grindelwald bleibt es von oben trocken, die Sonne zeigt sich hier und da und gibt den Blick frei auf Eiger, Jungfrau und Mönch – alle drei fast oder über 4.000 Meter hoch. Beeindruckend und beängstigend zu gleich. Vom Balkon des Hotel Fiescherblick kann ich ein Überbleibsel des Gletschers sehen. Einheimische erzählen mir, dass dieser vor 20 Jahren noch bis kurz vors Dorf gekommen ist, bald aber ist er ganz weg. Schnell weg ist auch das vorzügliche Dinner – wieder einmal. Ach die Schweiz! Wie lieb ich sie hab.

Villars-sur-Orllon - Col de la Croix - Les Diablerets - Gstaad - Interlaken - Grindelwald

125,33 KM

1.883 HM

5:01:35 STD.

12. Etappe

Sie nannten ihn Plattfuß

Die Reise durch die Schweiz nähert sich dem Ende – noch zwei Tage im Sattel. Der vorletzte Tag beginnt zunächst sehr episch, denn aus dem Hotel in Grindelwald raus geht es die Grosse Scheidegg hinauf. 900 Höhenmeter überwindet man auf einer kleinen Straße, auf der lediglich die Postbusse fahren dürfen. Auch wenn man oben schon auf 1.959 Metern ist, blickt man immer noch auf eine fast 2.000 Meter hohe Felswand, die sich dem Himmel entgegenstreckt. Hier kommt man sich wirklich sehr witzig vor, die Bergmassive sind beeindruckend. Weniger beeindruckend ist mein zweiter Plattfuß kurz vor der Passhöhe. Aber ich habe Glück und ein weiterer Bikepacker leiht mir für den Wechsel seine Handpumpe. Ohne Ersatzschlauch dafür mit aufgesparter Co2-Kartusche geht es über den enttäuschenden und unspektakulären Brünigpass weiter zum Vierwaldstättersee. In der Abendsonne schließe ich mich einer kleinen Rennradgruppe an und donnere entlang des Sees nach Luzern. Zwei Kilometer vor dem Ziel übersehe ich ein Schlagloch und stehe wieder mit einem Plattfuß am Straßenrand, diesmal allerdings ohne einen Ersatzschlauch zu haben. Den schenkt mir freundlicherweise ein Schweizer, den ich auf seiner Feierabendrunde aufhalte. Auf die zwei Platten heute hätte ich gerne verzichtet, auf die Scheidegg und Grindelwald nicht. Schweiz pur!

Grindelwald - Grosse Scheidegg - Meiringen - Brünigpass - Luzern

82,30 KM

1.513 HM

4:06:52 STD.

13. Etappe

Beine haben Bock, Kopf ist leer

Die 13. Etappe wird die Letzte meiner Reise durch die Schweiz sein. Einen Tag früher als geplant werde ich inWildhaus in St. Gallen Switzerland by bike beenden. Es ist zugleich der Ort, an dem ich einst Skifahren gelernt habe. Ursprünglich wollte ich in Kloster Müstair enden, wo ich vor zwei Wochen gestartet bin. Die Beine könnten noch, aber der Kopf ist leer. Ich will und muss nach Hause. Ich habe meinen Geist glatt überschätzt. Somit endet diese Reise nach dem schwersten Anstieg – Vorder Höhi – sehr emotional. Nach 1.250 km und 25.000 Höhenmetern überkommt es mich, alles fällt ab, alles kommt zusammen. Am Ende ist es nur 21 Heaven geworden. Aber ganz egal. Danke Schweiz, das waren 2 Wochen, die ich nie vergesse. 

Luzern - Einsiedeln - Sattelzug - Walensee - Vorderhöhi - Wildhaus

129,60 KM

2.800 HM

6:19:03 STD.